Das Ihagee Kamerawerk Dresden wurde 1912 von Johann Steenbergen, einem niederländischen Kaufmann, gegründet. Berühmt wurde das Werk durch die Entwicklung der Exakta Kine, der weltweit ersten einäugigen Spiegelreflexkamera für das 35-mm-Kleinbildformat. Diese bahnbrechende Kamera gilt als Grundlage für alle heutigen Spiegelreflexkameras.
Die Exakta-Kameras waren so erfolgreich, dass sie sogar Hollywood erreichten: Im Filmklassiker „Das Fenster zum Hof“ von Alfred Hitchcock (1954) beobachtet James Stewart seine Nachbarn mit einer Exakta. Die Modelle zeichneten sich durch Wechselobjektive, integrierte Filmtransportmechanismen und innovative Technik aus – sowohl für Amateure als auch für Profifotografen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion der Exakta-Kine im ehemaligen Delta-Werk der Zeiss Ikon AG an der Blasewitzer Straße wieder aufgenommen. Ein Großteil der Kameras ging als Reparationsleistung an die Sowjetunion, während das Werk weiterhin niederländisches Eigentum blieb und nicht enteignet wurde.
Ab 1951 übernahm die Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB) – Bereich Optik die Verwaltung. Gleichzeitig existierten zwei Unternehmen unter dem Namen Ihagee: In der DDR die Ihagee AG, während ab 1960 in West-Berlin die Ihagee Kamerawerk AG betrieben wurde. Dies führte zu zahlreichen Rechtsstreitigkeiten um Markenrechte.
Die Ihagee AG in der DDR wurde später als VEB Ihagee Kamerawerk geführt. 1964 wurde zunächst die Entwicklungsabteilung in das neue VEB Pentacon Dresden eingegliedert, 1968 folgte der vollständige rechtliche Zusammenschluss. Ab 1971 existierten die Ihagee Kamerawerke in der DDR nicht mehr.
VEB Pentacon Dresden
Der VEB Pentacon Dresden entstand als staatlicher Zusammenschluss der DDR-Kameraindustrie. Ab 1959 wurden die meisten Kamerafirmen zunächst unter dem Namen VEB Kamera- und Kinowerk Dresden zusammengeführt, der umgangssprachlich „Pentacon“ genannt wurde. 1964 erfolgte die offizielle Umbenennung zu VEB Pentacon Dresden.
Zum Kombinat gehörten namhafte Kamerahersteller wie Ihagee, Welta-Kamera-Werke Freital, Zeiss-Ikon und Beier & Co., sowie Objektivhersteller wie Meyer Görlitz. Ab 1970 wurde die Traditionsmarke Ihagee offiziell in Pentacon eingegliedert. Die Beschriftung der Meyer-Optik-Objektive trug bis 1971 noch den Namen Ihagee, danach wurde auf „Pentacon“ umgestellt. Das Unternehmenszeichen war die stilisierte Silhouette des Ernemann-Turms.
1974 beschäftigte Pentacon rund 9.000 Mitarbeiter. Die Kombination aus ausgezeichneter Technik, guter Marktstrategie und fairen Preisen machte die Praktica auch in der damaligen BRD zu einem großen Erfolg.
1985 wurde das Kombinat Pentacon in das Kombinat Carl Zeiss Jena eingegliedert. Nach der Wiedervereinigung entstand 1990 die Pentacon GmbH, die jedoch aufgrund finanzieller Schwierigkeiten abgewickelt wurde. Während der Insolvenz wurden die Geschäfte weitergeführt, bis das Unternehmen von Heinrich Manderman, einem langjährigen Geschäftspartner, übernommen wurde. Heute ist Pentacon weiterhin in mehreren Geschäftsbereichen aktiv, darunter die Marken Praktica und Exakta, und setzt die traditionsreiche Dresdner Kamerahistorie fort.
