Kamerafabrik Woldemar Beier, Freital


Kamerafabrik Woldemar Beier, Freital

 

Die Kamerafabrik Woldemar Beier wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von Woldemar Beier in Freital wiederaufgebaut. Bereits 1941 war die Produktion der Beier-Flex II im Betrieb angelaufen, musste aber auf Anweisung des Reichsministeriums für Bewaffnung und Munition auf Rüstungsgüter umgestellt werden. Während des Zweiten Weltkriegs blieb das Werk von Bombenangriffen weitgehend verschont, doch nach Kriegsende erfolgte die totale Demontage durch die sowjetische Besatzungsmacht.

 

Mit 60 Jahren begann Woldemar Beier im Mai 1945 den Wiederaufbau des Kamerawerks. Zunächst wurden Kameras repariert und Haushaltsgeräte wie Kartoffelschäler und Schuhanzieher gefertigt, um Geld für Maschinen und Einrichtungen aufzubringen. Bereits Mitte 1946 konnte die Produktion der ersten Kameramodelle, der Beirax, wieder starten.

 

1953 übernahm Werner Beier, der Sohn des Firmengründers, die Leitung des Unternehmens. 1972 wurde die Kamerafabrik im Zuge der Verstaatlichung als VEB Kamerafabrik Freital eingetragen, wobei Werner Beier als technischer Leiter weiter tätig war. Im Zuge der DDR-Strukturpolitik wurden weitere Betriebe in den VEB eingegliedert, wodurch die Kameraproduktion ausgeweitet wurde.

 

Ab dem 1. Januar 1980 unterstand der VEB dem Kombinat VEB Pentacon. 1981 wurde die Kleinbildkamera Beirette electronic mit Zeitautomatik entwickelt und auf den Markt gebracht. Ab 1985 folgte die Unterstellung unter das Kombinat Carl Zeiss Jena.

Nach der Wende 1990 wurde ein Teil des Unternehmens reprivatisiert, der Rest firmierte als Kamerafabrik Freital GmbH. Die Kameraproduktion wurde nach und nach zurückgefahren, und das Unternehmen stellte nur noch auftragsbezogen her. Am 30. September 1992 endete damit die Geschichte eines traditionsreichen Unternehmens der Dresdner Kameraindustrie.

 

Interessante Fakten

Beier-Flex II: War eine der bekanntesten Spiegelreflexkameras der Firma.

Beirette-Serie: Einfache und robuste Kleinbildkameras, die in der DDR sehr populär waren.

Produktion für den Haushalt: Nach dem Krieg wurden kurzfristig Alltagsgeräte gefertigt, um die Wiederaufnahme der Kameraproduktion zu finanzieren.

Beier wurde Teil des Pentacon-Kombinats und später des Zeiss-Kombinats, was die Integration in die DDR-Industrie verdeutlicht.

Ende der Produktion: Die Reprivatisierung nach der Wende konnte den Betrieb nicht retten; das Unternehmen existiert heute nicht mehr.


Beirette SL 300